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Psychologische Begleitforschung

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Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München – Dept. Psychologie ist verantwortlich für die ethisch-psychologische Begleitforschung im Rahmen des Gesamtprojektes.

Faktor Mensch

Erfolgreiches Handeln in Einsätzen im Rahmen der Gefahrenabwehr ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Neben den organisatorischen, technischen und einsatztaktischen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten sind dies auch psychologische Mechanismen.
Der Faktor Mensch wird im Rahmen von Sicherheits-, Katastrophen- und Notfallmanagementsystemen meist nicht ausreichend berücksichtigt. Dabei unterliegen Einsatzkräfte einem erhöhten Risiko, durch ihre Tätigkeit psychisch belastet und unter gewissen Bedingungen traumatisiert zu werden. Gleichzeitig werden unter zunehmendem Stress Einsatzabläufe behindert, Fehleinschätzungen und Fehlbedienungen können zunehmen.

Stress und extreme Belastung

Schon alltagsnahe Einsätze können Fehlbeanspruchungen und psychische Krankheiten nach sich ziehen. Die Durchführung von Sichtungen (Triage) nach Katastrophenfällen und Großschadenslagen ist maximal belastend. Unter extremer Belastung neigen Einsatzkräfte (wie jeder Mensch) zu Dissoziationen (Störung, bei der es zu einem teilweisen oder völligen Verlust von psychischen Funktionen wie des Erinnerungsvermögens, eigener Gefühle oder Empfindungen (Schmerz, Angst, Hunger, Durst, …), der Wahrnehmung der eigenen Person und/oder der Umgebung). Dadurch stehen den Einsatzkräften kognitive Fähigkeiten nur eingeschränkt zur Verfügung. Je komplexer Handlungsabläufe sind, desto höher ist die Gefahr von Fehlbedienung.  Der Umgang mit technischer Ausstattung erfordert eine einfache Handhabung. Zudem behindert der ethische Impuls Menschen retten und schützen zu wollen die Betroffenenerfassung, bei der zunächst nur eine Sichtung und Einstufung in Kategorien vorgenommen werden soll. Die Qualität der Gesamtabwicklung eines Katastropheneinsatzes kann in seiner Qualität eingeschränkt werden.
In dem hier beschriebenen Projekt werden zwei Themenbereiche untersucht.

Einstellung gegenüber Technik

Erster Schwerpunkt ist die Erfassung der Grundeinstellung gegenüber der Technik und eventueller kognitiver Dissonanzen, die durch die Verwendung des technischen Gerätes bedingt sein können. Des Weiteren werden die Bedingungen und Möglichkeiten zu Einstellungsänderungen im Umgang mit dem neuen technischen Gerät untersucht.
Ob die Einführung und Anwendung von technischem Gerät zu einer bedeutsamen Veränderung der psychischen Belastung während und/oder nach einem Einsatz führt und welche Möglichkeiten der Reduktion eventuell ermittelter Belastungsfaktoren bestehen, ist ein zweiter Schwerpunkt der ethisch-psychologischen Begleitforschung .
Da der Umgang mit Technik unter extremen psychischen Belastungen tendenziell als zusätzlicher Stressor erlebt wird, ist davon auszugehen, dass das Gerät nur dann akzeptiert wird, wenn es eine Handhabung erlaubt, die auch unter extremen Stress erfolgreich bleibt und Sicherheit bieten kann.

Ergebnistransfer

Die Begleitforschung liefert grundlegende Erkenntnisse darüber wie technische Innovationen für Personen eingeführt werden können, damit diese unter erheblichen psychischen Belastungen (wie sie die Arbeit unter den Bedingungen einer Katastrophe definitionsgemäß darstellen) angenommen und bestimmungsgemäß eingesetzt werden können. Die in diesem Zusammenhang untersuchten psychologischen Aspekte werden durch die ethisch-psychologische Begleitforschung erfasst, dokumentiert und in den Entwicklungsprozess des Verbundprojekts rückgemeldet.
Für die Forschung werden qualitative und quantitative Forschungsinstrumente eingesetzt.

Ganzheitliche Bewältigung von Komplexität - GABEK

Die Organisation von Wissen ist zentrale Fragestellung der derzeitigen Forschung – GABEK WinRelan bietet dafür eine qualifizierte Möglichkeit.
Bei der Methode GABEK („Ganzheitliche Bewältigung von Komplexität“, Zelger, 1999) und seiner Computerimplementierung WinRelan® handelt es sich um ein Instrument der qualitativen Inhaltsanalyse. In drei Befragungswellen werden aussagekräftige und übertragbare Informationen über Motivation, Einstellung, Reduktion oder Steigerung der Belastung bei der Triage/Betroffenenerfassung im Kontext von Katastrophen und Großschadensereignissen ohne und unter Benutzung der neuen Technologie erhoben und ausgewertet.
Eine ebenfalls im Forschungsprojekt verwendete qualitative Methode stellt die „Denke-Laut-Protokoll-Methode“ (Think-Aloud) dar. Hierbei werden spontane, verbale Äußerungen der AnwenderInnen über das Endgerät genutzt und mittels GABEK WinRelan® ausgewertet und damit die Einstellung und Akzeptanz gemessen.

VERA und ISTA

Gleichzeitig werden quantitative Methoden eingesetzt. Verwendet werden z. B. das Arbeitsanalyseverfahren VERA (Verfahren zur Ermittlung von Regulationserfordernissen in der Arbeitstätigkeit, Volpert et. al., 1983) und ISTA (Instrument zur stressbezogenen Tätigkeitsanalyse, Semmer et. al.).
Mit VERA wird in Vor- und Nachuntersuchungen beispielsweise die Wirkung von taktisch/organisatorischen Veränderungen oder die Veränderung des Einsatzablaufs durch Einführung neuer Technikkomponenten überprüft werden (Technikfolgenabschätzung) sowie die psychischen Belastungen analysiert. Es wird erfasst, in welchem Ausmaß die jeweiligen Arbeitsbedingungen eine Quelle psychischer Belastungen sind und auf Dauer die Gesundheit der involvierten Kräfte beeinträchtigen.
ISTA ist ein Verfahren zur Abschätzung von Belastungsschwerpunkten unterschiedlicher Tätigkeitsbereiche. Es werden die stressrelevanten Merkmale einer Tätigkeit erhoben und analysiert, inwieweit diese als Stressoren oder als Ressourcen wirken.

Betroffene, Anwender und Techniker im Mittelpunkt

Im Rahmen der psychologischen Begleitforschung werden die Betroffenen, die Anwender sowie die „Techniker“ in den Mittelpunkt gestellt. Die Betroffenen, die möglichst schnell und gut versorgt werden wollen, bei denen es um Leben und Tod gehen kann. Die Anwender, die im Katastropheneinsatz extreme Arbeitsbedingungen erleben, die durch die papierlose Betroffenenerfassung effizienter und stressärmer arbeiten wollen. Die „Techniker“, die ein Verständnis davon brauchen, was die Anwender zur Unterstützung brauchen und auf welche Weise die Technologie genutzt werden will.


Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 15. April 2010 um 09:02 Uhr
 



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