Datenerhebung bei einem Massenanfall von Verletzten / Betroffenen findet momentan in analoger Form mittels Papier und Stift statt. Dies bietet eine hohe Ausfallsicherheit und ein einfaches Bedienkonzept.
Um aber alle heute möglichen Chancen der medizinischen Versorgung und Katastrophenlogistik nutzen zu können, wie effektiver Einsatz von Personal, Fahrzeugen, Material und frühzeitige Information aufnehmender Krankenhäuser, müssen Erkenntnisse schnell und frühzeitig allen nachgeordneten und hierarchisch höher stehenden Stellen übermittelt werden.
Ziel ist es eine Anwendung zu entwickeln, die einfach zu bedienen ist Da die Einsatzkräfte in einer besonderen Situation sind, stressbeladen und zeitkritisch, muss eine sichere und intuitive Dateneingabe möglich sein.
Die Anwendung soll Datensätze selektiv übermitteln können. Je nach zur Verfügung stehender Bandbreite müssen die Informationen auf die wichtigsten Parameter begrenzt werden können. Dies soll ohne Eingreifen des Anwenders geschehen. Es muss sichergestellt sein, dass die verschiedenen Datensätze und Datensatzteile, in Zusammenarbeit mit der Datenbank des DLR, alle wieder richtig zugeordnet werden.
Unter Einbeziehung der Psychologen der LMU München werden die Entwicklungsstufen ständig evaluiert und die Ergebnisse in die Gestaltung und Bedienung der Software eingepflegt.
Die Software soll wie beschrieben in einer für den Anwender extrem belastenden Situation eingesetzt werden. Der Rettungsdienstmitarbeiter bzw. Notarzt muss – entgegen seiner Ausbildung und sonstigen Arbeitsweise – schwer verletzte Patienten "liegen lassen" und kann diese nicht behandeln, sondern „nur“ sichten. Das heißt, die Opfer werden gesehen, ihr Zustand wird beurteilt und dokumentiert. Dies muss die Anwendung unterstützen und "erleichtern".
Dazu wird die Software den Anwender durch den Sichtungsvorgang führen, ihm jedoch jederzeit die Möglichkeit bieten, Unterstützung abzurufen, bzw. die Dateneigabe anzupassen.
Die Datenerhebung soll möglichst umfassend sein. So ergibt sich ein deutlicher Benefit im Gegensatz zur „klassischen“ Datenerhebung beim Sichtungsvorgang. Ferner sollen möglichst viele der zu erfassenden Parameter automatisch gespeichert werden, wie z.B die GPS-Bestimmung synchron zur "Fotografie", ohne dass der Anwender dies immer wieder aktiv auslösen muss. Ziel ist eine möglichst optimale Balance zwischen aktiver Dateneingabe und automatischer Datenerfassung.
Dazu sollen erweiterte Daten unmittelbar erfasst werden wie:
- Foto zur Identifizierung der Personen und Dokumentation der Auffindesituation;
- GPS-Koordinaten zur Lokalisation für Transport- und Behandlungstrupps und zur Rekonstruktion der Situation unmittelbar nach dem Eintreffen der ersten Kräfte;
- Alle klassischen Sichtungsparameter wir Geschlecht, Triageklasse, usw.
- Persönliche Daten wie Name, Geburtsdatum usw.
- Elektronisches Erfassen der Nummer der Verletztenanhängekarte mittels Barcodescanner bzw. RFID.
Jeder Datensatz soll in verschiedenen Ebenen der taktischen Einsatzführungsstruktur bzw. in allen Phasen der medizinischen Behandlung ergänzt werden können. Diese Änderungen müssen jederzeit wieder zusammengeführt und angeglichen werden können.
Dadurch wird ein zusammenhängendes Behandlungsprotokoll - beginnend beim ersten Kontakt des Patienten mit einem Sichtungsteam bis zu seiner Übergabe in der Klinik - ermöglicht.
Dieses System wird in der Regel von Mitarbeitern von Rettungsdiensten und Feuerwehren eingesetzt werden – sie sind regelmäßig als erste an der Einsatzstelle. Auf sie und die Qualität ihrer Erkundungsergebnisse kommt es demnach in besonderer Weise an, wenn Entscheidungen über das tatsächliche Ausmaß des Ereignisses und eine adäquate Reaktion durch die Hilfsdienste getroffen werden müssen. Dementsprechend wichtig ist deshalb eine hohe Akzeptanz für das eingesetzte Unterstützungssystem beim Personal des Rettungsdienstes. Um den sicheren Umgang mit dem System bereits in alltäglichen Einsatzsituationen zu trainieren, lässt sich auf den eingesetzten Tablet-PC das etablierte Notarzteinsatzprotokoll ausfüllen. Die Daten können für die Patientenübergabe in der Klinik entweder ausgedruckt, gefaxt oder elektronisch übergeben werden.
Die Softwarelösung soll einen Programmteil enthalten, welcher in nachgeordneten Führungsstäben jederzeit einen möglichst umfassenden und ständig aktualisierten Überblick über Anzahl und Zustand der Betroffenen bzw. Verletzten ermöglicht, ohne die dort tätigen Führungskräfte mit Details unnötig zu belasten.
Insgesamt handelt sich bei der zu realisierenden Software und der dazugehörenden Datenbank um ein komplexes System, das im Gegensatz zu vergleichbaren Anwendungen nicht in einer sicheren Infrastruktur läuft, sondern unter extremen Ausnahmebedingungen funktionieren muss. Dies betrifft sowohl den technischen Teil, wie auch die Situation der Anwender.
Im Verbund werden diese Arbeiten von Euro-DMS Ltd durchgeführt.



